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2020 ist ein merkwürdiges Jahr. Einige sagen, dass es das schlimmste Jahr ist, was ihnen jeh passieren konnte. Die anderen sagen, dass 2020 vieles wachgerüttelt hat. Wäre ich im Jahr 2050 ein Lehrer, wüsste ich gar nicht, wo ich bei der Aufarbeitung des Jahres anfangen sollte.

 

Heute, am 06.Juni 2020 haben in Hannover um die 7.500 Personen gegen Rassismus demonstriert. Ich persönlich bin nicht hingegangen. Und in dem Moment, in dem ich diese Zeilen schreibe weiß ich, dass es deswegen gleich eine Debatte geben wird, die sich schon auch unter meinem neuen Bild auf Instagram anbahnt.

 

Ich bin nicht hingegangen, weil wir inmitten einer globalen Pandemie stecken. Das Corona-Virus ist nicht weg und wir können aktuell froh sein, dass es Deutschland “glimpflich” getroffen hat. Aber weg ist es nicht und ich befürchte immernoch, dass es eine zweite Welle geben wird. Auch erinnere ich mich an Bekannte von mir, die sich seit Wochen nur mit einem höchst penibel ausgewählten Freundeskreis treffen, damit sie sich bloß nicht anstecken. Heute sah ich über Instagram, dass sie mit Mundschutz in der eben beschriebenen Menschenmenge von 7.500 Personen standen. Gesundheit.

 

Um jetzt schnell die Kritik von mir zu weisen, dass ich nicht vor Ort war: Ich bin gegen Rassismus und für eine offen und tolerante Gesellschaft. So wurde ich erzogen, sozialisiert und ich lebe diese Werte. Die gegenwärtigen Geschehnisse rund um George Floyd in den USA erschüttern mich aufs Tiefste, machen mich nachdenklich und lassen mich in dieser schon so verwirrenden Zeit innehalten.

„Racism is not getting worse – it’s getting filmed“ – Will Smith

Denn ich bin überzeugt, dass Rassismus auch in unserer Gesellschaft noch vorherrscht. Und das ist erschreckend. Mich begleitet seit Tagen das Zitat von Will Smith, der sagt: „Racism is not getting worse – it’s getting filmed“. Genau so ist es. Über die sozialen Medien verbreiten sich in Sekundenschnelle eigene Erfahrungsberichte und rassistische Übergriffe werden minutiös dokumentiert.

 

„Ich habe einen Traum, dass meine vier Kinder eines Tages in einer Nation leben werden, in der man sie nicht nach ihrer Hautfarbe, sondern nach ihrem Charakter beurteilen wird“, sagte einst Martin Luther King in seiner berühmten Rede am 28.08.1963 in Washington D.C im Rahmen des „Marsch auf Washington“. Dieses Jahr, am 28.08.2020, 57 Jahre später, hat der US-Bürgerrechtler Al Sharpton einen neuen „Marsch auf Washington“ angekündigt, als Reaktion auf den Tod von George Floyd.

Black Lives Matter ist eine soziale Bewegung

Von den damaligen Bürgerrechtsbewegungen wurde auch auf die heutige soziale Bewegung „Black Lives Matter“ inspiriert. Die Bewegung wurde 2013 in den USA gegründet und richtet sich gegen rassistische Gewalt durch die Polizei in den USA. Seit jeher werden unter dem Hashtag #BlackLivesMatter gesellschaftliche Missstände offengelegt, mit dem Ziel ohne den Filter von traditionellen Medien Gehör zu verschaffen (nach dem Motto: Überwachung als Selbstverteidigung). Also, gar nicht so neu die Bewegung. Die Black Lives Matter Bewegung organisiert sich nun auch in Deutschland und hat heute zum Beispiel auch in Hannover die Demonstration organisiert. Ebenfalls auch in Berlin.

Was steht hinter der Black Lives Matter Bewegung?

Ich habe mal ein bisschen recherchiert und konnte keine offizielle Webseite der hannoverschen BLM Bewegung finden, jedoch eine der berlinerischen Bewegung. Und ja (um Kritik schonmal vorweg zu nehmen), ich habe die Links auf Instagram von BLM die vergangenen Tage geteilt. Mich interessiert zuerst der „Gemeinsame Konsens“, auf dem die Bewegung fußt. „Schwarze Geschichte“, „Gerechtigkeit“ und „Antikapitalismus“. Unter „Antikapitalismus“ steht:

„Wir sind fest davon überzeugt, dass Kapitalismus Schwarze Menschen niemals befreien wird und daran interessiert Alternativen zu diesem System der Unterdrückung zu finden. Schwarze Menschen und People of Color gehören in Deutschland zum größten Teil der arbeitenden Klasse an und machen die Drecksarbeit.“

In Bezug dessen stellen sich für mich ein paar Fragen, die ich heute auch BLM Hannover (bislang ohne Rückmeldung) gestellt habe. In deren Instagram-Story zum Thema “Information für die Parteien” wurden die Grüne Jugend, Piraten Hannover, Grüne Jugend, die Partei und die Linke Jugend verlinkt. Wo sind die Verlinkungen und die Ansprache an die Jusos (SPD), Junge Union (CDU) oder JuLis (FDP)?. Ich stelle das jetzt mal als Frage in den Raum, weil ich keine Antwort darauf bekommen habe: Wird durch die BLM Bewegung versucht politisch zu mobilisieren?

Generell wird die BLM Bewegung schon seit Jahren erforscht. Anbei lege ich euch ein paar Quellen:

Fragen über Fragen.

„Am Ende werden wir uns nicht an die Worte unserer Feinde erinnern, sondern an das Schweigen unserer Freunde“ – Martin Luther King

Doch eines weiß ich: Ich will und werde kein schweigender Freund sein. Doch wird alle können nur effektiv und langfristig etwas tun, wenn wir Antirassimus nicht als Sprint sehen, wenn wir zu einer Demonstration gehen oder ein Bild auf Social Media posten. Antirassismus ist ein Marathon und den müssen wir alle gemeinsam laufen.

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